Quetzal’s Reise - oder: endlich Zuhause!

Ganz früher, da hieß ich mal Danae, ich bin eine Segelyacht, genauer eine Dufour & Sparks 48 Prestige. Ich habe noch 10 jüngere Geschwister irgendwo auf der Welt. Ich selbst habe zuerst Monsieur Dufour gehört, er hat mich auch ganz fein ausgestattet.
Das erste Mal im Wasser war ich 1994 auf den Antillen, dort bin ich recht wenig gesegelt und wurde an einen Schweizer verkauft. Unter der Flagge von St. Vincent kreuzte ich den Atlantik und lag dann in meinem neuen Heimathafen Cogolin . Das ist direkt neben St. Tropez an der französischen Côte d’Azur. Mein schweizer Besitzer hatte aber recht wenig Zeit für mich, so lag ich dort im Hafen, neben den anderen schönen Booten und freute mich auf jede noch so kleine Ausfahrt. Leider ging es häufig nur unter Motor in den nächsten Hafen.....dabei kann ich doch ganz toll segeln!
Kurz vor Weihnachten 2007 sollte sich mein Leben jedoch drastisch ändern. Plötzlich kletterten 2 nette Menschen auf mein Deck, machten Fotos von mir, schauten sich alles ganz genau an. Für mein junges Alter bin ich nämlich super und richtig stabil, Ihr solltet mal meine Bilge, die Spanten und Bodenwrangen sehen. Die Wanten gehen natürlich bis auf den Kiel. Und ich sage Euch, auch mit meinen 13,5 Tonnen lasse ich so manchen jüngeren, leichtgewichtigeren Kollegen hinter mir.
Die 2 netten Menschen kamen wieder, schauten sich noch einmal alles an und.......... gaben ein Gebot für mich ab! Sollte mein Traum wahr werden?! Dann geschah 2 Wochen gar nichts mehr. Ich glaube, ich habe die 2 netten Menschen ab und zu am Steg gesehen....
Am 7.01.2008 wurde mein Motor angeworfen, 5 Leute an Bord. Eine Probefahrt?! Ja! Und gleich in den Hafen von Port Grimaud, bevor ich mich versah, hatte mich der 40 Tonnen Travellift gepackt und ich hing in der Luft. Alles wurde noch einmal unter Anwesenheit der 2 netten Menschen und zweier herbeigerufener Experten untersucht. Klar, bin ich für gut befunden worden. Hätte ich den 2 netten Menschen auch gleich sagen können. Aber gut, ich kann sie verstehen. Sie haben mir einen schönen neuen Anstrich spendiert, damit mich die Muscheln nicht ärgern, auch eine neue Zinkanode für meinen Propeller habe ich bekommen. Eine Woche später war ich wieder auf meinem Platz in Cogolin und die 2 netten Menschen zogen ein! Oh, jetzt wurde ich richtig schick gemacht, müde Schläuche im Sanitärbereich, Schoten und Leinen wurden ausgetauscht, ein Mechaniker kam und checkte meinen Motor, einen 65 PS Yanmar, richtig durch, mit Öl- und Filterwechsel. Die 2 netten Menschen haben sich ordentlich ins Zeug gelegt, haben alle Behördengänge selbst erledigt, mich versichert, und mich mit ganz viel Sicherheitsaustattung ausgerüstet. In einer fast unglaublichen Aktion haben sie es sogar geschafft, daß ich ein EPIRB (eine Seenotfunkbake) programmiert bekommen habe. Seit dem 16.01.2008 heiße ich Quetzal. Die 2 netten Menschen haben sich bei der Auswahl meines neuen Namens wirklich Mühe gegeben. Quetzal ist nämlich ein wunderschöner, leider vom Aussterben bedrohter Paradiesvogel, der hauptsächlich in Südamerika vorkommt. Eine der 2 netten Menschen hat wohl eine ganz besondere Beziehung zu Südamerika. Einer mexikanischen Sage zufolge, hat sich ein wunderschöner Vogel auf der Brust des Gottes Quetzalcoatl niedergelassen, als dieser tödlich verwundet am Boden lag. Als sich der Vogel wieder in die Lüfte erhob, war seine Brust rot vom Blut des Königs, einem Menschen, der für Frieden und Freiheit eingestanden ist.
Hier beginnt nun mein neues, aufregendes Leben.
Am 21.01.2008 kam noch ein weiterer, spanischsprechender, Mensch zu den 2 netten Menschen dazu und zog bei mir ein. Nun wurden die noch fehlenden Arbeiten in schwindelnder Höhe, auf meinem 18 Meter hohen Mast, erledigt . Ich bekam einen neuen Lederschutz für meine zwei Salings genäht, die Technik wurde revisioniert. Am 28.01. wurden meine Leinen losgeworfen, ich habe meinen Platz in Cogolin für wahrscheinlich immer verlassen. Unter Motor aber auch Segel ging es an diesem Tag bis Hyères. Die 3 Menschen stellten fest, daß ich ein wenig nach Diesel roch, leider war auch der Reißverschluß meines Lazyjacks nicht mehr so in Topform, er war einfach zu lange in der Sonne, und riß auf. Es tut mir richtig leid, daß die Menschen, die sich nun um mich kümmern, sich auch an den Glasfasern des Lazyjacks verletzten. Aber sie waren mir nicht böse. Am nächsten Tag ging es weiter nach Bandol, ich bin nur gesegelt. Ein tolles Gefühl nach so langer Zeit. Endlich frei atmen! Selbst nur unter Genua habe ich mit 7 Knoten meine Menschen befördert. In Bandol haben wir ein wenig Hilfe beim Anlegen gebraucht, ich bin nämlich nicht klein (15,05 Meter über alles) und der stark auffrischende Wind drückte heftig gegen meinen Bug. Der uns zugewiesene Liegeplatz war sichtlich der am schwierigsten anzusteuernde bei diesen Bedingungen. Aber mit der Hilfe und den 3 Menschen habe ich das dann doch gut hinbekommen. Ich wäre ja gern gleich weiter, aber die 2 netten Menschen beschlossen dem Dieselgeruch nachzugehen und fanden ziemlich poröse Luftzufuhrschläuche zu meinem Tank. Der Schweizer hatte das irgendwie nie bemerkt, aber diese Schläuche waren seit meiner Konstruktion nicht gewechselt worden – wie so einiges andere auch. Bei dieser Gelegenheit wurde, bei einem, wohl sehr netten, Segelmacher mein Lazyjack repariert und meine Sturmfock bekam die fehlenden Stagreiter verpaßt. Ihr seht, der Schweizer war nicht wirklich mit mir segeln, denn diese Sturmfock hätte er nie benutzen können, naja und das dafür vorgesehene Fall war auch nicht installiert. Die 3 Menschen an Bord haben alles repariert und ersetzt. Gern wären wir gleich wieder losgesegelt, aber jetzt tobte sich der Mistral im Golf de Lion aus. Sturmspitzen bis 150 km/h. Die 3 Menschen waren sehr betrübt, denn sie wollen doch mit mir in meine neue Heimat auf die Kanaren.
Am 6.02. ganz früh, da hatte der Wetterbericht eine kleine Lücke für uns. Ein voller Segeltag mit nicht 30 Minuten Motor für die Hafenein- und ausfahrten. Klasse! Es ging bis Frioul, einem Hafen von Marseille. Die Stimmung an Bord stieg gleich wieder, klar, das Gefühl endlich weiterzukommen. Der erste große Schlag sollte am nächsten Tag folgen, es ging direkt von Frioul bis nach Puerto de Balis. Merkt Ihr was? Ich bin in Spanien! Jetzt flatterte auch eine spanische Flagge an meiner Steuerbordseite. Die 2 netten Menschen haben aber auch an alles gedacht. Es war nicht sehr viel Wind, aber wir sind gesegelt. Nur nachts waren wir ab und zu unter Motor. Es war sternenklar und recht frisch. Wie die Mumien gekleidet wechselten sich meine 3 Menschen am Steuer ab, alle 2 Stunden wurde gewechselt und ein Mensch durfte etwas schlafen. Immer wieder spielen Delphine in meinem Bugwasser. Am 8.02. nachmittags legen wir in Balis an. Das ist übrigens neben Barcelona. Nun haben wir den Golf de Lion endlich hinter uns gelassen, in dessen Mitte tobt immer noch der Mistral. Daher sind wir ja auch nicht direkt auf die Balearen, sondern noch ein Stück weit an der spanischen Küste entlang gesegelt. Das Wetter blieb weiter gut, am 9.02. ging’s schon weiter, direkt nach Ibiza, wo wir am 10.02. nachmittags eintrafen. Die Nacht war wieder sternenklar, mit vielen Sternschnuppen. Die Menschen unterhielten sich an Deck über die Sternenformationen, den großen Wagen, der auf spanisch Casuela heißt, den Skorpion, den Polarstern, Akturus.......Der spanischsprechende Mensch fragte mehrfach nach der Casuela. Er wollte eigentlich nicht den Himmel erklärt bekommen, sondern hatte einfach nur Hunger und suchte die Casuela, den Topf, mit dem Essen, das er sich aufwärmen wollte. Meine 3 Menschen sind schon lustig.
In dieser kurzen Zeit habe ich mit meinen Menschen schon über 430 Seemeilen zurückgelegt. Es fehlen noch rund 1400 bis in meine neue Heimat....
Es sind wieder ein paar Tage vergangen, ich war mit meinen Menschen in Alicante. Ein Hafen mit wohl sehr tollen, warmen Duschen, der Mensch braucht das scheinbar ab und zu. Allerdings war es nicht billig hier im Hafen und wir mußten auch noch zwei Nächte länger bleiben als geplant, denn wieder war ein Strumtief direkt vor und später auch über uns. Nachts sind die 2 netten Menschen mehrfach an Deck gekommen und haben sichergestellt, daß alle meine Leinen auch noch gut fest sind und es mir gut geht. Ich bin schon froh, daß meine Menschen so aufpassen, scheint, sie wissen, was sie tun. Am 15.02. ging es dann weiter. Die Wettervorhersagen hatten sich allesamt zum Positiven geändert, was meine Menschen etwas erstaunte, aber da es völlig windstill im Hafen von Alicante war, liefen wir aus. Draußen wartete dann schon das Meer mit ordentlich Welle auf uns, der Sturm der letzten Tage hatte seine Spuren gelassen. Das Anemometer, der Windmesser, zeigte 32 Knoten, das sind 7 Beaufort. Das hatte niemand vorausgesagt, auch die Verbesserung gegen Mittag trat nicht ein. Da der Wind und die Welle (zumindest meistens) achterlich, von hinten also, kamen, bin ich gut damit zurechtgekommen. Für meine Menschen war es nicht sehr gemütlich, aber es war ja nur eine kurze Strecke von ca. 25 Seemeilen und wir haben das prima hinbekommen. Nun sind wir schon in Torrevieja, meine Menschen schauen immerwieder die Wettervorhersagen an, es scheint nicht einfach zu sein, die Vorhersagen widersprechen sich oder stimmen nicht mit dem überein, was wir auf unserer Fahrt erlebt haben. So nutzen sie die Zeit hier und lassen das UV-Band an meiner Genua nähen, und mein Deck sieht jetzt auch ganz toll aus. Einer der netten Menschen hat Stunden geschrubbt und immer wieder gespült. Wir haben hier viele Bekanntschaften gemacht, Freunde gewonnen. Am 19. ging es dann endlich weiter, das Meer hatte sich vollständig beruhigt, der Wind leider auch. So habe ich meine Menschen lange Zeit weiter unter Motor vorwärts gebracht. Im Laufe des Nachmittages wurde es dann für alle feiner, wir konnten segeln. Leider hielt dies nicht lange vor, ein ähnliches Manöver bzw. einen Segelversuch gab es noch in der Nacht, wiederum nur für kurze Zeit. Da das Wetter aber insgesamt eher gut war, und für die nächsten Tage eine deutliche Verschlechterung angesagt war, beschlossen meine Menschen in Almerimar nur kurz zu tanken und die Weiterfahrt nach Gibraltar anzugehen. Sie freuten sich über mein Radar, das funktioniert wirklich prima und erleichterte der Nachtwache ordentlich die Arbeit. Das Interpretieren der Lichter muß ich aber doch meinen Menschen überlassen, und sie machen es wirklich gut. In der Nacht vom 20. auf den 21. war Mondfinsternis. Das war schon etwas besonderes und so häufig kommt das ja nun nicht vor, schön, daß ich dies mit meinen Menschen erleben durfte. Auch sahen wir neben den Delphinen, die mich wohl sehr mögen, eine kleinere Schule von 6-8 Pilotwalen und sogar die 2. Meeresschildkröte seit unserem Aufbruch in Cogolin. Am 21. gegen Mittag trafen wir in Gibraltar ein, das Meer war sehr rauh, der Frachter, der direkt gestrandet am Felsen liegt, ist ein Mahnmahl für die Seefahrt, der Wind frischte, wie angesagt, deutlich auf; dann kam noch hinzu, daß die Hafenhandbücher nicht stimmten, und meine Menschen einen quasi geschlossenen Hafen (Queensbay) ansteuerten. Die Hafenpolizei war sehr nett, wies uns aber bestimmt den Weg. Gott sei Dank spricht eine der netten Menschen sehr gut englisch, per Funk konnte Kontakt erst zur Hafenmeisterei in Queensbay, danach Marina Bay aufgenommen werden. In Marina Bay gab es dann Platz für uns. Der Hafen ist nicht so gut gegen Ostwind geschützt und im Laufe der Nacht bliesen uns 10 Beaufort um die Ohren. Meine Menschen haben die Festmacher nochmals geändert, jetzt geht es etwas besser, aber es ist immernoch sehr unruhig mit nur einer Mooringleine. Die nächste Nacht soll ähnlich werden. Ich wünsche meine Menschen schlafen etwas besser. Meine Menschen haben die Zeit genutzt und sich in Gibraltar etwas umgeschaut und sich über die Engländer sehr amüsiert. Das Essen war entsprechend, aber die Altstadt ist einfach toll, mit vielen kleinen Geschäften, englischen Telefonzellen, Bussen und Bobbies. Wie heißen eigentlich weibliche Bobies? Bobienen? Aber auch Marks & Spencer war vertreten. Mein Proviant wurde aufgefüllt, trotz Steuerfreiheit war das aber wohl ganz schön teuer. Naja ich will die Qualität des Essens nicht noch einmal erwähnen, aber die Begeisterung meiner Menschen hielt sich etwas in Grenzen. Am Dienstag, den 26., stimmten die Prognosen und wir starteten den Versuch die Straße von Gibraltar und somit das Mittelmeer zu verlassen. Ich glaube, wir alle freuen uns auf den Atlantik Unter Motor fuhren wir im Slalom um die ganzen geankerten Riesentanker herum, schon jetzt wurden wir von Delphinen begleitet. Das war doch ein gutes Zeichen. Sobald wir aus der Bucht von Gibraltar heraus waren, wurde meine Genua gesetzt. Es stellte sich heraus, daß die Vorhersage (fast) stimmte. 3 bis 4 war angesagt – Windstärken. Was meine Menschen und ich vorfanden, waren 3 – 4 und zwar Meter Welle mit etwa 7 Beaufort Wind. Aber auch dieses Mal kam die Welle achterlich und so bin ich zügig durch die Straße von Gibraltar gesegelt. 2 Mal mußten wir den hier "vorfahrtsberechtigten" (der Segler sagt natürlich Wegerecht) Riesenschiffen ausweichen, nach gut 5 Stunden waren wir dann im Atlantik. Uff, endlich. Der Himmel wurde klarer, die Sonne kam heraus, die Welle wurde länger. Oh, wir haben das alle sehr genossen. Da der Wind konstant aus Ost blies, ging es nur mit Genua weiter. Jetzt lag eine lange Strecke von 530 Seemeilen vor uns, bis wir wieder Land sehen sollten. Die drei Menschen hielten sich (mehr oder minder) an ihren Wachturnus, nur mittags wurde etwas ausgespart, so konnten dann alle gemeinsam essen. Einmal war das Wetter so fein, daß sich meine Menschen entschlossen meinen Tisch im Cockpit hochzuklappen und draußen zu essen. Sie hatten sichtlich Spaß - keine Angst mein Autopilot ist super und hatte mich für diese kurze Mittagspause sicher am Ruder - und haben dieses "dekadente Mahl" auch gleich auf Fotos festgehalten. Wir brauchten etwas mehr als 4,5 Tage bis wir auf der Ilha de Porto Santo, das ist die wunderschöne kleine Insel 27 Seemeilen nordöstlich von Madeira, anlegen konnten. Der Hafen war gar nicht einfach und meine Menschen ließen mich mehrere Runden drehen, bis sie sich für einen Anleger entschlossen hatten. Hui, diese Mal mußten sie aber ganz schön ziehen und drücken, damit ich mich nicht am Schwimmsteg verletzte, der Wind traf nämlich meinen Bug ab und zu mit sehr heftigen Böen. Aber nach kurzer Zeit war alles erledigt. Natürlich wehte jetzt die Flagge Portugals an meiner Steuerbordseite. In Gibraltar hatten meine Menschen noch die gelbe "Q-Flagge" an Backbord gehißt (wegen der Zollfreigabe; gleichzeitig bestätigt diese, daß alle an Bord gesund sind), auf Porto Santo haben sie darauf verzichtet. Es stellte sich nämlich heraus, daß auf unseren Funkruf niemand antworten konnte, das Büro der Marina war am Wochenende nicht besetzt. So erledigte die Polizei die notwendigen Papiere und gab den Menschen sogar die Schlüssel für die Sanitäranlagen. Auch hier sollen die Duschen toll gewesen sein. Was die Menschen nur immer haben, ich habe auch 3 Duschen an Bord! Und auch heißes Wasser, für einige Stunden zumindest. Meine Menschen ruhten sich ein wenig aus, denn es fehlte natürlich Schlaf, dann gingen sie weg in den Ort. Am Wochenende war nicht nur das Hafenbüro nicht besetzt, auch die Tankstelle war zu. Ich hatte zwar noch halbvolle Tanks, aber – wie so oft – wollten die 2 netten Menschen auf Nummer sicher gehen. Sie versuchten Kanister zu kaufen........Der Versuch scheiterte. ABER jetzt kommt eines der schönsten Erlebnisse dieser Reise: Die eine von den netten Menschen fragte auf der Straße einen Polizisten, wo man denn solche Behälter erwerben könnte. Der einzige Tankwart konnte nicht weiterhelfen. Der Polizist dachte kurz nach, griff zu seinem Handy und in kaum weniger als 10 Minuten war der Freund des Polizisten, ein Automechaniker, mit 4 riesigen Kanistern da. Die Insel ist sehr klein, (11km * 5km mit 9km weißen Standstrand), so konnte der Mechaniker mal schnell herkommen. Kaum zu glauben, er schenkte uns alle Kanister und erklärte noch einer Taxifahrerin unser Problemchen. Diese brachte dann die drei Menschen mitsamt der Kanister zu mir. Meine Crew war restlos begeistert von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft dieser Menschen hier. Auch wenn es sprachlich nicht so ganz einfach war, die 2 netten Menschen haben sich sehr bemüht und in einer Mischung aus Französisch, Englisch und ganz wenig Spanisch (dies scheint hier nicht ganz so gern gesprochen zu werden aus Rivalität zum “reichen” Festland) zu kommunizieren. Am Sonntag dem 2. März legten wir am frühen Nachmittag wieder ab, die Hafenpolizei weigerte sich standhaft eine Hafengebühr entgegenzunehmen. Die 2 netten Menschen wollen aber auf jeden Fall wiederkommen, dann machen sie das wieder gut. Diese Insel hat bei meinen Menschen einen tiefen Eindruck hinterlassen. Ein wirklicher Geheimtip, wo gibt es soetwas noch?! Wunderschöne Natur, tolles Wasser, dieser Strand und dann diese Menschen, die einfach nur lieb sind.
Es waren die letzten Nächte an Bord und wohl auch die schönsten, denn nun konnte ohne Unterbrechung, wie es uns sonst ab und zu passiert ist, gesegelt werden. Nach nur 44 Stunden liefen wir den Hafen von Santa Cruz de La Palma an, dies ist also mein neues Zuhause! Naja, die Begrüßung war etwas ruppig, denn ein heftiger Schwell war im Hafenbecken. Auch gab es ersteinmal keinen Platz am Schwimmsteg, es hatten sich viele Boot hierher geflüchtet. Die drei Menschen machten mich also an einer Hafenmauer fest. Unglaublich, wie sie das gemacht haben. Sie haben eine meiner Ankerketten um einen Molenvorsprung gelegt, damit auch mein Heck sicher befestigt werden konnte. Hier im Hafen gibt es schon 1,5m Tidenhub, aber auch daran haben die Menschen gedacht. Sie haben mich kurz allein gelassen und haben mit dem spanischsprechenden Menschen die "Bordkasse" geleert und erstmal etwas gegessen. Dann wurden die Taschen gepackt und der spanischsprechende Mensch ging von Bord. Irgendwie war die Stimmung nicht sehr fröhlich, alle drei Menschen spürten deutlich, daß etwas Wunderbares und Einmaliges zu Ende gegangen war. Etwas später gingen dann auch die 2 netten Menschen von Bord. Sie kamen aber noch mehrmals wieder, und haben genau beobachtet, wie ich mich so bei Flut verhalte. Die eine von den netten Menschen ist sogar mitten in der Nacht noch ins Wasser gestiegen und hat eine weitere lange Leine gelegt, damit mein Bug nicht an die Wand kommt. So habe ich fast 2 Tage hier an der Mole verbracht, aber die Menschen waren oft da und haben auch schon viele Freunde mitgebracht. Ich gefalle den Leuten hier sehr gut (war ja auch nicht anders zu erwarten, oder?). Am Donnerstag, bei immer noch viel Wind und Welle im Hafen, haben die beiden netten Menschen mich an den Schwimmsteg gefahren, denn dort war ein Platz freigeworden. Jetzt liege ich hier richtig gut, ich habe gehört, ich soll demnächst auf die andere Seite des Steges umziehen, da habe ich dann auch einen netten Nachbarn, wie mir scheint. Meine 2 netten Menschen kennen nämlich den Besitzer von "Bentor" schon lange. So, jetzt habe ich genug von mir, den 1866 Seemeilen, und meiner Reise erzählt. Ich hoffe, Ihr habt euch nicht gelangweilt. Jetzt freue ich mich auf meine Törns hier auf den Kanaren, davon werde ich bestimmt auch wieder berichten.

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